Das Weihnachtswunder

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Langsam nur vergehen die Tage bis es endlich soweit ist, voller Spannung zählt sie jeden Tag,

immer wieder läuft sie nach draußen, guckt ob er da ist, dieser Briefumschlag.

 

Es war Mitte Dezember, nur noch ein paar Wochen und Heilig Abend stand vor der Tür,

doch sie wusste er kommt, er wird kommen, muss kommen, das hatte sie im Gespür.

Alles war bereit, die Lichterketten strahlten und Plätzchenduft durchströmte das Haus,

sie hatte alles so schön dekoriert mit Lametta, Schneestaub und Schoko Nikolaus.

Auch den Weihnachtsbaum hatte sie besorgt und er sah prächtig aus,

die ganze Familie würde sich versammeln am Heilig Abend, alle zusammen im Elternhaus.

 

Sie hatte fünf Kinder, alle schon ausgezogen und irgendwo verstreut,

bis sie erwachsen geworden sind hat sie ihre Kinder gepflegt und betreut.

Sie hatte es immer geliebt Mutter zu sein und für ihre Kinder zu sorgen,

nur mit ihren Kindern fühlte sie sich komplett geborgen.

Zu schnell wurden sie erwachsen, viel zu schnell verging die Zeit,

die Kinder waren nun groß, zu Ende war es mit der Erziehungsarbeit.

 

Jetzt war sie nur noch mit ihrem Mann und doch war sie so oft allein,

wie oft wünschte sie sich er wäre öfter bei ihr und sie könnten abends zusammen sein.

Nur hatte er damals keinen Job bekommen bis er eine Chance im Ausland sah,

was sollten sie machen, und so packte sie seine Koffer und er zog nach Kanada.

Es war nicht leicht, sogar sehr schwer,

jeden Tag vermisste sie ihn mehr.

Sie telefonierten zwar oft und schrieben sich Briefe und Karten,

doch endlich, zu Weihnachten wollte er nach Hause kommen und sie konnte es schon kaum erwarten.

 

Er würde die Weihnachtstage Zuhause bleiben und sie könnten die zeit zusammen genießen,

nie wollte sie es zulassen, dass sich ihre Gefühle für ihn je verließen.

Sie liebte ihn immer noch so sehr wie damals, als sie noch ein Mädchen war,

bis heute ist es so geblieben, bis heute fand sie ihn wunderbar.

 

Jetzt musste dieser Brief kommen, und sie war schon ganz aufgeregt,

sie hatte sich für ihn ein schönes Weihnachtsgeschenk überlegt.

Ein Wochenende für sie beide in einer gemütlichen Hütte mit Sauna und Kamin,

mitten in den Bergen, im Skigebiet von Wien.

Jetzt klingelte es an der Tür, sie öffnete, der Postbote, Jipi, er ist da!

Der Umschlag, das Geschenk, gerade noch rechtzeitig, hurra!

Jetzt war alles bereit,

jetzt konnte sie kommen die Weihnachtszeit!

 

Zwei Tage später, es war schon dunkel. es war Abend, sie stieg in ihr Auto, fuhr los, es war glatt, es hat geschneit und es war bitterkalt,

alles war gefroren, eine Eisschicht war auf dem Asphalt.

Mit ihren Gedanken war sie nur bei ihm, sie merkte gar nicht wie schnell sie war,

als sie in der Dunkelheit plötzlich ein Reh vor sich sah.

Sie stieß auf die Bremse, die reifen quietschten, sie verlor die Kontrolle über den Wagen,

sie riss das Lenkrad rum und bevor sie wusste was geschehen war, hatte sie sich überschlagen.

Die Scheiben waren zerbrochen, alles zersplittert, das Auto Schrott und sie unter Schock,

und alles nur wegen dem plötzlich auftauchendem Rehbock.

Sie spürte, sie blutete und so langsam kam auch ein stechender Schmerz,

sie war eingeklemmt, konnte sich nicht bewegen, es tat so weh: „Nein…bitte nicht mein Herz.“

„Hilfe, bitte Vater, hilf mir hier raus!“

Sie fing an zu beten, zu flehen, sie konnte sich nicht bewegen, war eingeklemmt im Fahrerhaus.

 

Die Stunden vergingen, sie betete, flehte unaufhörlich, doch noch keine Hilfe in Sicht,

voller Verzweiflung lag sie da…plötzlich ein brummen, Motorengeräusch, Scheinwerferlicht.

Hoffnung kam hoch und sie betete immer fester: „Bitte, lass sie mich sehen!“

„Bitte Vater, bitte, lass mich das doch überstehen!“

Und so war es auch, sie wurde gerettet, ein Weihnachtswunder ist geschehen,

ein Engel wurde in die Nacht hinein gesendet der sie gerettet hat, und so konnte sie ihre Familie wiedersehen.

Sie wurde gerettet, das würde sie nie vergessen und ewig dankbar sein,

ein Weihnachtswunder ist geschehen, wie damals die Geburt vom Christkindlein.

 

Von Olga Wetzler